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Der Kaufmann und der Papagei
Ein Kaufmann hatte einen Papagei in einem Käfig. Als er nach Indien reisen wollte, fragte er jeden im Haus, was er mitbringen solle.
Auch den Papagei fragte er. Was wünschst du dir?
Der Papagei sagte: Wenn du dort meine Art siehst, dann sage ihnen, wie ich lebe. Sage ihnen, dass ich hier in einem Käfig sitze, während sie über die Wiesen fliegen. Frage sie, ob das recht ist.
Der Kaufmann kam bis an die äußerste Grenze Indiens. Auf einer Ebene sah er eine Schar Papageien. Er hielt sein Tier an, rief ihnen den Gruß zu und richtete aus, was ihm aufgetragen war.
Einer von den Papageien zitterte heftig, fiel herab und war tot.
Der Kaufmann bereute, dass er die Nachricht überbracht hatte. Ich habe das Geschöpf umgebracht, sagte er. Dieser hier muss mit meinem Vogel verwandt gewesen sein. Zwei Körper und ein Geist.
Diese Zunge ist wie ein Stein und ist auch wie Feuer. Was von der Zunge kommt, ist wie Feuer.
Der Kaufmann kam nach Hause und brachte jedem ein Geschenk mit.
Der Papagei fragte: Wo ist meines? Erzähle, was du gesagt und gesehen hast.
Der Kaufmann erzählte es und biss sich vor Reue in die Finger.
Da zitterte der Vogel heftig, fiel um und wurde kalt.
Der Kaufmann sprang auf und warf seine Kappe zu Boden. Er zerriss sein Gewand. Weh um meinen Vogel mit der süßen Stimme, rief er. Weh um meinen Vertrauten.
Zunge, du bist zugleich das Feuer und der Schober. Wie lange noch wirst du dieses Feuer auf diesen Schober werfen?
Dann nahm er den toten Vogel und warf ihn aus dem Käfig.
Der Papagei flog auf einen hohen Ast.
Der Kaufmann stand da und begriff nichts. Nachtigall, sagte er, erkläre uns deinen Fall. Was hat jener dort getan, das du gelernt hast?
Der Papagei sagte: Jener hat mir durch seine Tat einen Rat gegeben. Gib deine schöne Stimme auf, hat er gesagt, denn deine Stimme hat dich in die Gefangenschaft gebracht. Er hat sich totgestellt, um mir diesen Rat zu geben. Werde tot wie ich, damit du frei wirst.
Wenn du ein Korn bist, picken dich die Vögel auf. Wenn du eine Knospe bist, pflücken dich die Kinder ab.
Mesnevi I, 1547–1835