Band 1 · Geschichten und Verse

Die gefrorene Schlange

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Die gefrorene Schlange

Ein Schlangenfänger ging in die Berge, um mit seinen Beschwörungen eine Schlange zu fangen.

Ob einer langsam ist oder schnell: Wer sucht, wird finden.

Er suchte in den Tagen des Schnees rings um die Berge nach einer großen Schlange. Da erblickte er einen gewaltigen toten Drachen, und bei dem Anblick füllte sich sein Herz mit Furcht.

Er wickelte ihn in Seile und schleppte ihn unter hundert Mühen bis nach Bagdad, um ihn dort zu zeigen.

Er breitete ihn aus. Die Leute liefen zusammen. Eine ganze Stadt kam, um den toten Drachen zu sehen.

Die Sonne von Irak schien warm darauf.

Die Wärme löste das Eis. Es knackte in dem Leib.

Der Drache sprengte die Fesseln und glitt darunter hervor, ein scheußliches Tier, das brüllte wie ein Löwe.

Auf der Flucht wurden viele Menschen getötet. Der Schlangenfänger stand gelähmt vor Schreck und rief: Was habe ich da aus den Bergen gebracht?

Das blinde Schaf hatte den Wolf geweckt.

Der Drache ist deine begehrende Seele. Wie sollte er tot sein? Er ist nur gefroren, aus Kummer und aus Mangel an Mitteln.

Solange dein Drache gefroren bleibt, ist es gut. Wenn er frei wird, bist du ein Bissen für ihn.

Halte den Drachen im Schnee der Trennung. Hüte dich, ihn in die Sonne von Irak zu tragen.

Mesnevi III, 976–1058