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Woher Rumi kam
Dschalal ad-Din Muhammad wurde am 30. September 1207 geboren, nach der Überlieferung in Balch, im Norden des heutigen Afghanistan. Ein Teil der Forschung hält das kleinere Wachsch für den Geburtsort, im heutigen Tadschikistan, wo der Vater damals predigte. Beides liegt in Chorasan, dem persischsprachigen Osten der islamischen Welt.
Als er etwa zehn Jahre alt war, brach die Familie nach Westen auf. Der Vater hatte Streit mit den Gelehrten der Stadt, und von Osten kamen die Mongolen; Balch wurde 1220 zerstört. Die Familie zog über Nischapur und Bagdad nach Mekka, dann nach Anatolien. Nach Jahren in Karaman ließ sie sich um 1228 in Konya nieder, der Hauptstadt der Seldschuken von Rum. Dort blieb Rumi bis zu seinem Tod.
Perser, Afghane, Türke, Kurde?
Vier Länder beanspruchen ihn, und jedes hat einen Grund. Afghanistan: Balch liegt dort. Iran: Er schrieb Persisch, und Persisch ist die Sprache Irans. Türkei: Er lebte in Konya,
sein Grab ist dort, sein Orden ist türkisch. Tadschikistan: Wachsch, und die tadschikische Sprache ist das Persisch Chorasans.
Rumi selbst hätte die Frage nicht verstanden. Nationen im heutigen Sinn gab es nicht. Er war ein persischsprachiger Muslim aus Chorasan, der in Anatolien lebte. Was er über die Herkunft der Menschen dachte, steht im Mesnevi:
Dieselbe Sprache sprechen ist Verwandtschaft und Nähe. Viele Inder und Türken sprechen dieselbe Sprache. Viele Türken sind einander fremd.
Mesnevi I, 1205–1206
In welcher Sprache er schrieb
Persisch. Das Mesnevi, der Diwan, die Vierzeiler, die Gespräche, die Briefe: alles Persisch, die Sprache der Gelehrten und Dichter von Bagdad bis Delhi. Dazu Arabisch, die Sprache des Korans, in einigen Gedichten und in vielen Zitaten. Und ein paar Dutzend Verse auf Türkisch und auf Griechisch, in der Sprache der Leute, die in Konya auf der Straße redeten. Er wusste, was er tat, als er Persisch wählte:
Sprich Persisch, auch wenn Arabisch süßer ist. Die Liebe hat hundert andere Zungen.
Mesnevi III, 3842
Was „Rumi“ heißt
Rum ist das arabische und persische Wort für Rom. Gemeint war das Oströmische Reich, Byzanz, und später das Land, das die Seldschuken ihm abgenommen hatten: Anatolien. Wer dort lebte, war ein Rumi, einer aus Rum. Der Name sagt also nicht, woher er kam, sondern wohin er gegangen ist. In Iran und Afghanistan nennt man ihn deshalb lieber Maulana oder Balchi, nach der Geburtsstadt.
Warum er Mevlana genannt wird
Maulana, türkisch Mevlânâ, heißt „unser Herr“. Es war die übliche Anrede für einen Gelehrten. Rumi wurde so angeredet, seit er in Konya lehrte, und mit der Zeit wurde aus der Anrede der Name. In der Türkei sagt niemand Rumi. Man sagt Mevlana, oder mit vollem Namen Mevlânâ Celâleddîn-i Rûmî. Der Orden, den seine Nachfolger gründeten, heißt nach diesem Wort: Mevlevi, die zu unserem Herrn gehören.
Der Streit der Menschen kommt von den Namen. Der Friede kommt, wenn sie zur Sache vordringen.
Mesnevi II, 3680